KULTUR - Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf

VERANSTALTUNGEN


Erinnern bewegt – 1989 I 2019

Zeitzeug*innen im Gespräch mit Henny Engels und Wolfram Hülsemann

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz Marzahn-Hellersdorf lädt in Zusammenarbeit mit dem Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf zu einer Veranstaltungsreihe ein, in der unterschiedlichste persönliche Erfahrungen aus der Zeitspanne 1989 I 2019 erinnert und diskutiert werden sollen.

Was der Umbruch ab 1989 mit sich brachte und was Menschen aus der DDR hinter sich ließen, was sie in das „Neue“ mitnahmen, was unterschiedlich erlebt wurde, was zu bewältigen war, berührte nicht nur den Kopf, sondern gleichermaßen die Empfindungen der meisten und ist bei vielen bis heute gegenwärtig.

•    Überwältigende Freiheitserfahrung, aber auch Fremdheitserfahrung und, daraus erwachsend, überwältigende Verunsicherung

•    Erfüllung lang gehegter Wünsche einerseits: Konsummöglichkeiten, berufliche Entwicklung, geistiger Austausch. Andererseits aber auch desillusionierende Erfahrungen beim Ankommen im Neuen

•    Das Entdecken politischer Mündigkeit und Teilhabemöglichkeiten einerseits.
Andererseits das Empfinden, in der eigenen Lebensgestaltung willkürlichen Entscheidungen und wenig plausiblen Sachzwängen ausgeliefert zu sein

•    Das Entdecken bisher unbekannter eigener Fähigkeiten einerseits, andererseits aber auch persönliche Entwertungserfahrungen in Familie und/oder Berufsleben

 

11. September, 18 Uhr: Politik im Umbruch

Dagmar Pohle, Bezirksbürgermeisterin Marzahn-Hellersdorf
Norbert Seichter, Kommunalpolitiker

Am ersten von vier Abenden, an denen unterschiedlichste Erfahrungen der Zeitspanne 1989 bis 2019 thematisiert und diskutiert werden sollen, bitten wir Dagmar Pohle (Bezirksbürgermeisterin / Linke) und  Norbert Seichter (Linke), ihre Erinnerungen mit uns zu teilen. Als Kommunalpolitiker*innen waren und sind sie wesentlich an der Entwicklung des Bezirks beteiligt. Sie wuchsen 1990 in eine kommunal-politische Ordnung mit demokratischer Grundorientierung hinein. Das Neue mussten auch sie im Eilverfahren lernen. Während sie von Teilen der Bevölkerung Zustimmung erfuhren, fragten andere, ob ehemalige SED-Mitglieder Demokratie überhaupt „können“. So konnten sich  unsere Gesprächspartner*innen die Auseinandersetzung mit den politischen Zusammenhängen und Grundüberzeugungen, aus denen sie selbst kamen, nicht ersparen. Persönliche Erfahrungen, nicht überall nachlesbare allgemeine Beschreibungen, sollen im Mittelpunkt des Abends stehen.

 

23. Oktober, 18 Uhr : Schule im Umbruch

Wolfgang Brauer, Lehrer
Bettina Rathenow, Lehrerin (zuletzt Senatsschulverwaltung)

Allgemeinbildende Schulen zeigen in jedem Land etwas von den Lebensvorstellungen jeweiliger Gesellschaftsordnungen. Die Schulpädagogik der DDR machte keine Ausnahme. Ihr war im Ansatz und weitestgehend auch in der praktischen Umsetzung aufgegeben, die Erziehung der Kinder und Jugendlichen zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ zu gewährleisten. Dies mit Hilfe eines vo-gegebenen parteilich-weltanschaulichen Erziehungskonzeptes.
Erinnern bewegt: Zum zweiten Abend haben wir Wolfgang Brauer und Bettina Rathenow eingeladen, die beide in der DDR ihre pädagogische Ausbildung erhalten haben. Ihre Berufsbiografien lesen sich unterschiedlich. Was beide aus ihrer DDR-Erfahrung mitnahmen und wie sie sich nach 1990 in einem für sie zunächst völlig unbekannten Schulsystem zurechtfanden, wo sie für sich selbst, für Schülerinnen und Schüler Chancen sahen und Belastungen spürten, soll an diesem Abend zur Sprache kommen.

 

13. November, 18 Uhr: Wirtschaft im Umbruch

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e.V.
Dr. Christa Bertag, 1985 bis 1990 Generaldirektorin des VEB Kosmetik Kombinat Berlin

Entdeckungen und technische Entwicklungen, aber auch politische Rahmenbedingungen verändern jede Volkswirtschaft. Im Idealfall sind diese Veränderungen als Entwicklungen, die menschlichen Bedürfnissen gerecht werden sollen, zu beschreiben. Welches Potential die DDR-Wirtschaft vor 30 Jahren zur Anpassung an die neuen politischen Rahmenbedingungen hatte, bleibt bis heute heftig umstritten. Wie sich ausgewiesene Fachleute aus der sich auflösenden DDR in diesem schwierigen Prozess bewegten und wie sie sich persönlich darin erlebten, Risiken und Chancen bewältigten, soll am 3. Abend unserer Reihe angesprochen werden. Dazu freuen wir uns auf Frau Dr. Bertag und Herrn Nils Busch-Petersen. Dr. Christa Bertag war zwischen 1985 und 1990 Generaldirektorin des VEB Kosmetik Kombinat Berlin. Nils Busch-Petersen stand nach seinem Jurastudium (DDR) am Beginn seines Berufslebens und kommt heute als langjähriger Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e. V. zu uns.

 

11. Dezember, 18 Uhr: Soziales im Umbruch

Dr. Thomas Pfeifer, Geschäftsführer der Wuhletal gGmbH
Sr. Margareta Kühn, Don-Bosco-Zentrum Marzahn

Grundlage sozialer Gestaltung einer Gesellschaft sind Ideen, die beschreiben, wie Bürgerinnen und Bürger miteinander leben, für sich und für andere Verantwortung tragen und welche Rolle dabei staatlichen Rahmenbedingungen zukommt. Die Neuordnung gesellschaftlicher und staatlicher Verantwortung im weiten Feld des Sozialen erwies sich nach 1989 nicht nur als eine umfassende strukturelle und organisatorische Aufgabe. Unterschiedliche Grundvorstellungen über die Aufgaben des Staates und gesellschaftlicher Verantwortungsträger trafen aufeinander und ließen diesen Prozess als schmerzhaften Umbruch oder aber auch als Befreiung zur Eigengestaltung und Selbstverantwortung erleben.

Mit Sr. Margareta Kühn und Dipl. psych. Dr. Thomas Pfeifer kommen wir darüber ins Gespräch. Sr. Margareta Kühn kennen viele Menschen aus dem Don-Bosco-Zentrum in Marzahn. Zu DDR-Zeiten arbeitete sie im thüringischen Heiligenstadt. Dr. Thomas Pfeifer ist heute Geschäftsführer der Wuhletal gGmbH.


Moderation: Henny Engels, Wolfram Hülsemann (Bündnis für Demokratie und Toleranz Marzahn-Hellersdorf)

Veranstalter: Bündnis für Demokratie und Toleranz in Zusammenarbeit mit dem Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf

Veranstaltungsort: Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf, Haus 1, Veranstaltungsraum

Eintritt frei!