KULTUR - Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
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Notate

Zufall ist eine von mir unabhängige Tatsache, die mir zufällt:
die zerrissene Form – der Zufall des Geformten – die Form der Zerrissenheit – das Zerrissene der Einheit – die Einheit der Welt.


die Kraft der Schwäche – die Schwäche der Unzufriedenheit,
des Zorns, der Wut, der Aggression, des Hasses, der Demut, des Neides, der Eifersucht, des Aufruhrs, der Revolte – die Energie des Geistes und des Materials – der Geist der Liebe – das Material des Schöpfers


der Mut der Verzweiflung – der Zweifel des Menschen
die Lüge von „gut“ und „böse“ – die Wahrheit der Existenz – die Existenz der freien Tat – der Irrtum von „wahr“ und „falsch“


die Magie des Abenteuers, des Forschens und Experimentierens – der Spaß am Spiel – das Spiel mit dem Risiko – das Risiko der Gefahr – das Gefährliche der Erfindung – die Erfindung von bisher Unbekannten – das Neue – die Schöpfung – der Mut des Schöpfers


der Begriff der Dinge – die Dinglichkeit der geistigen Festlegung, die Anmaßung feststehender Begriffe – die Festigkeit stetiger Wandlung – die Wandlung der Sinneserfahrungen – der Sinn der Welt – die Erfahrung der Welt – die Welt des Zufalls (dessen, was mir zufällt) – der Zufall der Form.


Gestische Aktionen als Malhandlungen hinterlassen Spuren, expressive Strukturen und informelle Gebilde auf der Malfläche. Die Gesten schleudern Angestautes von innen nach außen. Figurationen tauchen auf, verschwinden, tauchen wieder – aber anders – auf ... usw. Ein ständiges Abenteuer in's Unbekannte hinein macht den Malprozess spannend. Die in ihrer Eindeutigkeit in Frage gestellte (informelle) Form provoziert Aufruhr gegen festgelegte Blickwinkel.


Akzeptiere ich den Zufall der Form, dann nehme ich, was mir zufällt und das bildnerische Spiel beginnt.

Jürgen Wagner